Beitrag zur Tagung Der Koran – die unbekannte Offenbarung |
Teil der europäischen ReligionsgeschichteAnnäherungen an den Koran
Der Koran ist auslegungsbedürftig wie die Bibel und der TalmudAus Sicht des Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Mathias Rohe (Erlangen) ist der Koran ebenso wie der Talmud und die Bibel auslegungsbedürftig. Die entscheidende Frage sei, ob die Aussagen des Islam "zu jeder Zeit, an jedem Ort und für alle Menschen" gelten. Er sprach sich dafür aus, den Islam "dynamisch, nicht statisch zu lesen ". Konsequenzen habe dies gerade im Hinblick auf Rechtsfragen. Weltweit sei eine Reformbereitschaft des Islams zu erkennen. Gerade in der Frage der Gleichberechtigung von Mann und Frau gebe es viele positive Entwicklungen, zu denen nur Extremisten und Traditionalisten im Widerspruch stünden. Muslimische IdentitätDie Islamwissenschaftlerin Rifa`at Lenzin (Zürich) sprach abschließend über muslimische Identität in Europa. Sie verdeutlichte, dass bei den Muslimen in Europa diese Identität in hohem Maße mit einem Migrationshintergrund verknüpft sei. Die Kinder der Einwanderergeneration wüchsen "in einer säkularisierten, konsumorientierten Welt auf, die mit der Welt der Eltern und deren Wertmaßstäben nicht mehr viel zu tun hat". Für die nachfolgenden Generationen stelle sich die Frage, ob und wenn ja "welche Werte und Traditionen der Eltern sie übernehmen und weiterführen sollen" bzw. "in welchem Maß sie sich integrieren wollen". Aus Sicht Lenzins sei ein Islam anzustreben, der nach wie vor in der Weltgemeinschaft der Muslime verankert ist, kulturell jedoch von Europa geprägt werde. Für die Zukunft Europas wünschte sie sich, dass Muslime und Nichtmuslime die Präsenz des jeweils anderen nicht in erster Linie als Problem empfinden, sondern als Chance und Bereicherung. Signal für den DialogAnnette Stepputat (Karlsruhe), Beauftragte für Islamfragen der Evangelischen Landeskirche in Baden, bezeichnete die Tagung als ermutigendes Signal für den interreligiösen Dialog. Darüber hinaus gelte es alles zu tun, was zur Integration von Muslimen in Deutschland beitragen kann. Ralf Stieber, Karlsruhe, 5. März.2010 |