Beitrag zur Tagung Nachhaltigkeit in der Krise?
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Die Krise eröffnet Chancen für eine nachhaltiges Entwicklung

Tagung zum Netzwerkprojekt "Zukunftfähigkeit Deutschlands in einer globalsisierten Welt"

Sieglinde Ruf
Dr. Lämmlin präsentierte die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland"

Blick ins Plenum
Prof. Scherhorn, Mitautor der Studie

Thomas Kreuzer und Christian Osterhaus
Aufmerksame Zuhörer in den Räumen der IHK Karlsruhe

Das Forum sammelt selbst
Am Gespräch beteiligte sich auch der Unternehmer und Landessynodale Hans-Georg Nußbaum

Claudia Kramer
Henning Banthien vom IFOK Berlin

Unter dem Titel "Nachhaltigkeit in der Krise?“ wurde auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Baden in der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ zur Diskussion gestellt. Die von Brot für die Welt, dem Evangelischem Entwicklungsdienst und dem BUND in Auftrag gegebene und vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie erstellte Studie versteht sich als Anstoß zu einer gesellschaftlichen Debatte über nachhaltiges Wirtschaften und Konsumieren.

Herausforderungen

Dr. Georg Lämmlin, Studienleiter der Evangelischen Akademie (Karlsruhe), leitete die Tagung in Kooperation mit den Wirtschaftsjunioren Karlsruhe und der Führungsakademie Baden-Württemberg mit der Hoffnung ein, dass das Bewusstsein für die Herausforderungen unserer Wirtschafts- und Lebensweise in den hoch entwickelten Gesellschaften durch die Gefahr des Klimawandels und durch den Verbrauch an fossilen Energieträgern und Ressourcen wächst. Gleichwohl bleibe die Frage, wie diese Herausforderungen in Strategien ökologischer, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit umgesetzt werden können.

Nachhaltig produzieren und konsumieren

Nach Ansicht von Prof. Dr. Gerhard Scherhorn, Senior Consultant des Wuppertal-Instituts und Mitautor der Nachhaltigkeits-Studie, habe man aus der Weltwirtschaftskrise von 1929 nichts gelernt. Im Grunde wisse jeder, dass "man aus einer Sackgasse nicht in der derselben Richtung herauskommt, in der man hinein gefahren ist“. Zu kritisieren sei insbesondere "das Produzieren und Konsumieren zu Lasten des Klimas, der sozialen Integration, aber auch der Funktionsfähigkeit von Märkten“.

Umdenken dringend notwendig

Das bisherige Wirtschaftswachstum – so Scherhorn weiter - sei letztlich "unwirtschaftlich“, da es unter dem Strich mehr koste als es einbringe: die Belastung der Gemeingüter steige schneller als das Sozialprodukt. Ein Umdenken sei dringend nötig. Zur Förderung eines anderen, nachhaltigen Verhaltens in unserer Gesellschaft brauche es neue Regeln. Vor allem sollte das Abschieben privater Kosten auf die Allgemeingüter geächtet werden. Diese "Externalisierung“ sei für eine kapitalistische Wirtschaftsordnung notwendig, nicht aber für eine Marktwirtschaft.

Verlässliche Rahmenbedingen

Dr. Jörg Adolf, Chefvolkswirt von Shell Deutschland (Hamburg), machte in seinem Beitrag über Energie- und Mobilitätsszenarien der Zukunft die Perspektiven, aber auch die Zwänge eines großen Energieunternehmens sichtbar. Damit sinnvolle Szenarien in Richtung Nachhaltigkeit auch im Straßenverkehr umgesetzt werden könnten, seien seitens der Politik entsprechende globale Rahmenbedingungen zu schaffen, auf die sich Unternehmen verlässlich berufen können. Weitere Nachhaltigkeitsaspekte wurden in Gesprächsrunden zu Energieeffizienz und Gebäudemanagement, zum Finanzmanagement und in Sachen Ausbildungsfähigkeit behandelt.

Impulse gaben Ralph Rischmüller (Bereichsleiter Facility Management MVV Energie AG, Mannheim), Franz Berno Breitruck (Unternehmensberater, attempto, München) und Walter Herre (Arbeitskreis Bildung & Wirtschaft der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe).

Change or die

Eine konzeptionelle Gesamtperspektive für das Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ("Global Governance“) lieferte abschließend der Politik- und Wirtschaftsberater Henning Banthien vom Institut für Organisationskommunikation Berlin (IFOK). Statt sich auf das scheinbare Kerngeschäft zu konzentrieren, gelte es für deutsche Unternehmen, die Krise "als Chance für eine nachhaltige Positionierung“ zu nutzen. Es gelte die Devise „Change or die (Verändere dich oder du stirbst)“. Immer mehr werde deutlich, dass Nachhaltigkeit "ein Innovationstreiber innerhalb der Unternehmen ist“.

Betroffene zu Beteiligten machen

Das Schlusspodium stand unter dem Thema "Nachhaltiges Wirtschaften als ökologische Notwendigkeit und strategische Aufgabe“. Gerhard Scherhorn rief die evangelische Kirche zum konkreten Handeln auf, indem sie, "eine solide Regulierung der Finanzmärkte fordert“. Es gäbe viel zu viele unregulierte Bereiche bei Banken. Insbesondere sei eine "Reform der Eigenkapitalunterlegung“ notwendig. Henning Banthien drückte die Hoffnung aus, dass die Kirche zusammen mit ihren Mitgliedern eine Nachhaltigkeitsagenda formulieren würde. Georg Lämmlin sagte abschließend, die evangelische Kirche solle sich intensiv in den öffentlichen Diskurs einbringen: es sei die eigentliche Stärke des Protestantismus, "die Betroffenen zu Beteiligten eines aktiven Prozesses zu machen“.

Die Tagung war eine Veranstaltung im Rahmen des Netzwerkprojektes "Zukunftsfähigkeit Deutschlands in einer globalisierten Welt", das die Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD) 2009 und 2010 initiiert haben. Est will Impulse für eine notwendige gesellschaftliche Debatte geben.

Ralf Stieber, Karlsruhe, 6. Juli 2009