Beitrag zu "Am Ende gewinnen alle!" 2009
Homepage der Evangelischen Akademie Baden
 

Der dritte Sektor schafft Werte und Normen

5. Südwestdeutsches Fundraising Forum

Sieglinde Ruf
Sieglinde Ruf moderierte zum fünften Mal das Fundraising Forum

Blick ins Plenum
Über 130 Teilnehmer, Referenten und Sponsoren kamen zum Forum

Thomas Kreuzer und Christian Osterhaus
Dr.Thomas Kreuzer und Christian Osterhaus (v.l.)

Das Forum sammelt selbst
Das Forum sammelt selbst - Volker Erbacher (l.) mit "Wahlhelferinnen"

Claudia Kramer
Claudia Kramer von der AIDS-Hilfe gewann die "Wahl"

Ein kleines Jubiläum wurde am Montag, den 8. Juni 2009 im "Haus der Kirche - Evangelische Akademie Baden" in Bad Herrenalb begangen: zum fünften Mal fand das Südwestdeutsche Fundraising Forum statt. Unter dem viel versprechenden Motto "Am Ende gewinnen alle!" waren über 130 Teilnehmer der gemeinsamen Einladung von Evangelischer Landeskirche, Diakonischem Werk, Evangelischer Akademie Baden und Aktivbüro der Stadt Karlsruhe gefolgt, einen Tag lang praktisches Fundraising-Wissen zu erwerben. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gewinnt das Thema "Fundraising" oder etwas verkürzt "Mittelbeschaffung für Non-Profit-Organisationen (NPOs)" immer mehr an Bedeutung.

Sieglinde Ruf (Karlsruhe), Fundraiserin der Evangelischen Landeskirche in Baden, moderierte das Forum, das einmal mehr zur einer Plattform für Erfahrungsaustausch, Wissenserwerb und Kontaktpflege wurde.

Der dritte Sektor schafft Werte und Normen

Dr. Thomas Kreuzer, Geschäftsführer der Fundraising Akademie Frankfurt sagte einleitend, dass der "dritte Sektor" gestärkt aus der Wirtschaftskrise herausgehen werde. Darunter ist das weite Spektrum von gemeinnützigen Organisationen, Verbänden und Vereinen bis hin zu Selbsthilfegruppen gemeint, die nicht gewinnorientiert arbeiten. Der "dritte Sektor" sei nicht der "Wertelieferant der Gesellschaft" aber der Ort, wo Normen und Werte erzeugt werden.

Präventiv Probleme angehen

Christian Osterhaus (Bonn), bis vor kurzem noch Marketingleiter der Deutschen Welthungerhilfe, sprach von der "Unfähigkeit unserer Gesellschaft, die große Probleme der Zeit präventiv und entschlossen anzugehen". Klimawandel und Umweltzerstörung, die aktuelle Wirtschaftskrise und Globalisierungsfolgen, die Probleme durch Hunger, AIDS und Unterentwicklung, aber auch die demografische Entwicklung bedeuteten Herausforderungen, für die weder die Wirtschaft noch der Staat Lösungen anbieten würden.

Enormes Mobilisierungspotential

Osterhaus vertrat die Auffassung, dass der "dritte Sektor" einen größeren Beitrag zur Bewältigung dieser Probleme zu leisten vermag. Auf lokaler Ebene löse er bereits routiniert viele Aufgaben, aber auch global besitze er ein "enormes Mobilisierungspotential". Andererseits seien strukturelle Probleme des Dritten Sektors nicht von der Hand zu weißen. Anspruch und Wirklichkeit klafften z. T. weit auseinander und oftmals würden viel zu hohe Erwartungen gerne geschürt. Ein Problem sei die Zersplitterung der Nonprofit-Organisationen, ihre fehlende Macht und nur punktuelle Wirkung. Kirchen und Sozialverbände seien oft zu unbeweglich und ihre Wirkung sei geringer als ihr Potential.

Verbesserte Eigenfinanzierung

Notwendig sei jedenfalls eine verbesserte Eigenfinanzierung. Diese sei nicht so einfach zu erreichen, da seit etwa 10 Jahren kein reales Wachstum des "Spendenkuchens" zu beobachten sei. Osterhaus erinnerte daran, dass der Erfolg einer Organisation oder Vereins letztlich an ihrer

Wirkung gemessen würde. Öffentlichkeit und Spender würden immer stärker nachfragen, ob die Versprechen der NPOs auch eingehalten werden. Skandale wie der "UNICEF-Skandal", der auf fehlende Professionalität zurückzuführen sei, gefährde die gesellschaftliche Akzeptanz.

Neun Workshops

In neun intensiven Workshops setzten sich Einsteiger und Fundraisingprofis mit Themen wie Onlinespenden und Web 2.0, Spendenwerbung für Organisationen bei Jubiläen oder wie Ehrenamtliche für aktives Fundraising zu begeistern sind auseinander. Für die Qualität der Workshops bürgen Lothar Schulz von der Fundraising Akademie Frankfurt, Udo Schnieders vom Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg, die Sozialmarketing-Fachfrau Dr. Brigitte Reiser (Stuttgart), Alexa Gröner vom Fundrasisingbüro Bistum Hildesheim, Kai Dörfner, Kommunikationschef der Freunde und Förderer der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, Andreas Schiemenz von der Fundraising Factory Hamburg, Hilke Hantel (PR&Marketing Singen) und Jan Uekermann, Fundraiser bei Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V. in Karlsruhe.

Erfolgreich: das Forum sammelt selbst

Sehr erfolgreich war die Aktion "Das Forum sammelt selbst" unter der Leitung von Volker Erbacher (Karlsruhe), Fundraiser der Diakonie Baden. Drei Organisationen konnten nach einem "Europa-Wahlkampf für ihr Anliegen" anteilig die Summe von 421 EUR mit nach Hause nehmen, die während des Forums gesammelt wurden. Das Rennen machte die AIDS-Hilfe Karlsruhe e.V. knapp vor dem Christlichen Jugenddorfwerk Creglingen mit dem Projekt "Chance" im Jugendstrafvollzug und dem Kreisjugendring Rems-Murr mit "Handicap im Ehrenamt". Spätestens da wurde deutlich, das Fundraising eine Investition in die Zukunft gerade auch kleiner und mittlerer Organisationen und Kirchengemeinden sein kann. Allerdings gelingt dies nicht von selbst. Es braucht Menschen, die professionell dazu anleiten und zugleich Ehrenamtliche, die bereit sind, Zeit für den guten Zweck zu investieren.

Schnelle Hilfe per Internet

Im Schlussvortrag erläuterte Thilo Reichenbach (Bonn) am Beispiel der "Aktion Deutschland hilft" - ein Bündnis von 18 renommierten deutschen Hilfsorganisationen - welche Chancen das Internet für das Fundraising bietet. Gerade im Falle großer Katastrophen gehe es darum, gemeinsam schnelle, effektive und koordinierte Hilfe zu leisten. Inzwischen würden Online-Spenden in signifikanter Höhe erzeugt, so nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südasien oder aktuell für Flüchtklinge in Sri Lanka.

Ralf Stieber, Karlsruhe, 10. Juni 2009