
Prof. Dr. Hans-Dieter Bahr, Akademiedirektor Klaus Nagorni und Prof. Dr. Götz Mundle

Blick in den Workshop mit der Musiktherapeutin Susanne Brandenburg-Bernius

Dr. Bernd Beuscher (Paderborn)

Der Konzertpianist Boris Feiner

Der zweite Workshop mit Klaus Nagoni erspürte die Muße bei einem Waldspaziergang
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"Man schämt sich schon jetzt der Muße. Man denkt mit der Uhr in der Hand, wenn man zu Mittag ißt, das Auge auf das Börsenblatt gerichtet" schrieb Friedrich Nietzsche vor über hundert Jahren. Seitdem ist die Muße noch mehr in Vergessen geraten: in einer Welt, in der vor allem Effizienz und Produktivität im Mittelpunkt stehen, spielen die Sphären des unvernutzten Lebens und unmittelbaren Daseins bestenfalls eine Nebenrolle. Dabei gäbe es genügend Anlass, sich der Muße zu besinnen. Auf der Tagung "... und nichts zu suchen, das war mein Sinn. Die Kunst der Muße" der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb betonte Akademiedirektor Klaus Nagorni (Karlsruhe), dass gerade in Zeiten, "in denen wirtschaftliches Denken und Handeln alles überlagert", die Muße "ebenso notwendig wie sie in Wahrheit rar geworden ist".
Mußelosigkeit
Der Mangel an Muße hat sicherlich damit zu tun, dass sie mit der Vorstellung "alles ist machbar" inkompatibel ist. Muße, so der Philosoph Hans-Dieter Bahr (Berlin), lässt sich nicht auf eine Funktion reduzieren, um besser mit Freizeit und Beruf umgehen zu können. Sie sei vielmehr eine "festliche Art, sich Zeit zu lassen" die eine "eigene Sphäre der Gelöstheit aufspannt". Unser scheinbar in sich schlüssiges "System der Nützlichkeit" erhält nach Meinung Bahrs zurzeit die Quittung für Mußelosigkeit. Es fehle uns ein Außenverhältnis zur Ökonomie, um die Art des Lebens, in das wir hineingeraten sind, überhaupt verstehen zu können. Die Muße sei ein Schlüssel, um für den notwendigen kritischen Abstand zu sorgen und sollte wieder zu einer "öffentlichen Angelegenheit" werden.
Bahr erinnerte daran, dass die musische Erziehung Wege hin zur Muße öffne. Die Orientierung an der musischen Erziehung sei die Stärke Europas gewesen: "das Üben der Malerei bedeute das Erlernen des Sehens, die Musik führe ins Hören ein und die Einbildungskraft werde durch die Literatur geschult". Im Schulalltag seien diese Fächer in den letzten Jahrzehnten leider fast schon zynisch als antiquiert verabschiedet worden.
Ausgebrannte Gesellschaft
Von einer "ausgebrannten Gesellschaft", der es an Achtsamkeit und Muße mangele, sprach der Psychiater Prof. Dr. Götz Mundle (Hornberg) in seinem Beitrag über das Burnout-Syndrom. Mehr denn je bedürfe die Gesellschaft einer geistigen Grundhaltung, aus der heraus innere Balance als Voraussetzung für ein zufriedenes Leben entstehen kann: "Was ist mein inneres Geländer, an dem ich mich orientieren kann?" Vom Burnout gefährdete Menschen hätten die Wahrnehmung dafür verloren. Ursache dafür sei neben übertriebenen Leistungsansprüchen auch der gesellschaftliche Verlust an inneren Werten, Religion und Sinnhaftigkeit. Als "besondere Form der Wachsamkeit" bezeichnete der Pädagoge Prof. Dr. Bernd Beuscher (Paderborn) die Muße. Sie sei eine Gnadengabe im Sinne "nicht geschuldeter Dankbarkeit".
Anstöße für einem "entschleunigten Lebensstil" gab der Theologe Hans Jürgen Luibl (Erlangen). Er bezeichnete die Gelassenheit als dritte
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