Bericht zur Tagung KlimaAlarm
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Der Klimawandel - auch eine kulturelle und spirituelle Krise?

Akademietagung "KlimaAlarm" in Bad Herrenalb mit dem VDI


An der Erkenntnis, dass der globale Klimawandel durch menschliches Handeln verursacht ist, kommt man spätestens seit der Veröffentlichung des vierten Berichts des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) im vergangenen Jahr nicht mehr vorbei. Die globalen Durchschnittstemperaturen werden demnach bis zum Ende dieses Jahrhunderts im günstigsten Fall um 1,8 Grad im Vergleich zu 1980, im schlimmsten Fall um 6,4 Grad steigen. Alarm schlugen deshalb vom 25.-27. Januar 2008 die Evangelische Akademie Baden und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) auf einer Tagung "KlimaAlarm" in Bad Herrenalb mit über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Gemeinsam wurde nach Ursachen, Folgen und notwendigen Konsequenzen des Klimawandels gesucht.

Bereits 1989 hatte die Akademie und der VDI unter dem Titel "Hebt der Mensch das Weltklima aus den Angeln? (Tagungsbericht) das Thema aufgegriffen. Professor Dr. Wilfried Bach (Münster) hatte damals entschiedene Maßnahmen zur Eindämmung der Emission von Treibhausgasen gefordert. Seinerzeit aber wurde darauf verwiesen, dass man noch mehr Fakten benötige, um handeln zu können.

Globale Klimamodelle und regionale Studien

Die Aussagekraft von Klima-Szenarien veranschaulichte Dr. Gerd Schädler vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Forschungszentrum Karlsruhe (FZK). Dank neuer Rechner gäbe es heute sehr aussagekräftige Klimamodelle mit einer „deutlich verbesserten Auflösung“, die vor 20 Jahren noch unmöglich war. Der Bericht des IPCC berücksichtige weltweit 24 verschiedene Klimamodelle - die Klimaforscher stimmten darin überein, dass die Erwärmung der letzten 50 Jahre wesentlich durch anthropogene Treibhausgase (hauptsächlich Kohlendioxid) verursacht worden sind.

Schädler

Foto 1: Dr. Gerd Schädler

Schmid/Boßler

Foto 2: Prof. Dr. Hans Peter Schmid und Gunter Boßler vom VDI

Prof. Dr. Hans Peter Schmid, Direktor des Instituts für Atmosphärische Umweltforschung Garmisch-Partenkirchen, veranschaulichte in seinem Beitrag, wie in der Praxis Daten gewonnen werden. Neuerdings würden verstärkt globale Modelle mit regionalen und lokalen Studien in Beziehung gesetzt.

Der Klimawandel ist unser Schicksal

Professor Dr. Hartmut Graßl (Hamburg), weltweit einer der renommiertesten Klimaforscher, lies keinen Zweifel daran, dass der Klimawandel "durch unser Zögern bereits zu unserem Schicksal geworden ist". Klimaänderungen schädigten und zerstörten bisherige Ökosysteme und schafften neue, unbekannte Ökosysteme. Artenschutz werde dadurch noch viel schwieriger. Im Grunde „fahren wir einen Totalangriff auf die Schöpfung“. Die Lage sei aber nicht ausweglos. Die Hoffnung für die Rettung des Weltklimas sieht Graßl im verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energieträgern sowie Energieeinsparungen durch Steigerung der Energieproduktivität.

Graß u.a.

Foto 1: Prof. Dr. Harmut Graßl, Akademiedirektor Siegfried Strobel,
Prof. Dr. Gerhard Berz und Gunter Boßler im Gespräch

Graßl

Foto 2: Prof. Dr. Hartmut Graßl verdeutlichet die Folgen des Klimawandels

Die ärmsten Länder sind am meisten betroffen

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit führte der Agronom Dr. Bernhard Walter von "Brot für die Welt" (Stuttgart) vor Augen. Zunehmende Wetterextreme und Wasserknappheit seien Klimaveränderungen, die gerade der Landwirtschaft zu schaffen machen. Bereits bei einem Anstieg der Temperaturen um 2 bis 3 Grad seien 2,4 bis 3,1 Mrd. Menschen von Wasserknappheit betroffen. Walter hob hervor, dass die ärmsten Länder der Welt wohl am stärksten vom Klimawandel betroffen werden. Klimapolitische Ziele müssten daher in die Armutsbekämpfung einbezogen werden.

Kirchen sind gefragt

Der Geophysiker Professor Dr. Gerhard Berz (München), lange Jahre Leiter des Bereichs GeoRisikoForschung bei der Müchener Rückversicherung, sprach von einer "dramatischen Zunahme der  Naturkatastrophen". Die Schadenpotenziale würden immer neue Größenordnungen erreichen, die Veränderungen von Klima und Umwelt erhöhten das Katastrophenrisiko zusätzlich. Es gelte, die globale Erwärmung, soweit noch möglich, abbremsen. Berz appellierte an die Kirchen, mehr zu tun als bisher: „Es gehört zu den Aufgaben der Kirchen, auf die Bewahrung der Schöpfung hinzuweisen“.

Berz, Schmid

Foto 1: Auf dem Podium Prof. Dr. Gerhard Berz und
Prof. Dr. Hans-Peter Schmid

Gerten, Walter

Foto 2: Auf dem Podium: Dr. Dieter Gerten und Dr. Bernhard Walter

Technische Lösungen reichen nicht aus

In dem Beitrag „Welche Erde wollen wir?“ zeigte der Geograph Dr. Dieter Gerten vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dass es "in der Hand der Menschheit liegt, wie die Erde in Zukunft gestaltet wird". Deren große Aufgabe im 21. Jahrhundert sei es, "einen nachhaltigen Entwicklungspfad für die gesamte Erde zu finden, der das Überleben der Ökosysteme wie auch der Menschheit selbst ermöglicht". Ob die bisherigen technischen und ökonomischen Lösungsvorschläge ausreichend sind, sei jedoch ungewiss. Den globalen Problemen liege auch eine kulturelle bzw. spirituelle Krise insbesondere der westlichen Zivilisationen zu Grunde, „die einer umfassenden Revision bedarf". Dabei könnten die verschiedenen Religionen eine nicht unbedeutende Rolle spielen.

Den Lebenstil wieder an die Erde anpassen

Der Physiker Professor Dr. Dr. Hans-Peter Dürr (München), 1987 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, bezeichnete das Klimathema „nur als Spitze des Eisbergs“. Im Grunde müsse gefragt werden, wie viel menschliche Aktivität die Biosphäre überhaupt verträgt. „Wir haben Lebensstile entwickelt, die nicht kompatibel mit der Erde sind“. Der Mensch müsse sich wieder einordnen in die höhere Ordnung der Erde, wenn die Erde eine Zukunft haben soll.

Strobel

Foto 1: Akademiedirektor Siegfried Strobel

Dürr

Foto 2: Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, alternativer Nobelpreisträger 1987

Klimawandel der Herzen

Akademiedirektor Siegfried Strobel (Karlsruhe) sprach aus christlicher Sicht von einem notwendigen Umdenken: „Eigentlich können wir dem bedrohlichen Klimawandel angemessen nur durch einen Klimawandel der Herzen begegnen.“ Das, was unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmt, müsse verändert werden. Zum verantwortlichen Handeln angesichts des Klimawandels könnten wir als einzelne, aber auch als Gruppen, Kirchen und Gemeinschaften einen erheblichen Beitrag leisten. Jeder einzelne Beitrag zum Klimaschutz sei sinnvoll, denn die Wirkungen würden sich verstärken: "Je mehr Menschen in diese Richtung aktiv werden, desto eher wird sichd ies auch in politisches Handeln übertragen", betonte Strobel.

Diskussion Klimawandel

Foto 1: Blick in den Saal während einer Fragerunde

Boßler VDI

Foto 2: Gunter Boßler vom VDI Bezirksverein Karlsruhe

Gunter Boßler vom VDI-Bezirksverein Karlsruhe sagte abschließend, dass die seit 1980 stattfindenden "Bad Herrenalber Gespräche des VDI" einmal mehr gezeigt hätten, dass es sich lohnt, über den Tellerrand zu schauen. In Sachen Klimaschutz sei es an der Zeit, "einen anderen Zug zu nehmen und umzusteigen". Denn nur "wo das Klima stimmt, können sich Menschen wohl fühlen".

Ralf Stieber, Karlsruhe, 29.1.2007


Mehr Informationen und Download:

Programm und Einladung zur Tagung "KlimaAlarm"

Brauchen Sie die Energie-Diät? Ein Test von Global Challenges Network und dem Greenpeace-Magazin

Mehr zur Tagungsreihe Bad Herrenalber Gespräche des VDI

Anfang Februar werden wir einige der Beiträge an dieser Stelle zum Download einstellen.

 

 


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