Bericht "himmelwärts und erdverbunden" |
Protestantismus – mit Geschmack auf Zukunft(Heidelberg) Mit einem Festtag unter dem Motto "himmelwärts und erdverbunden" in der Heidelberger Heiliggeistkirche ging das Reformationsjubiläum der badischen Landeskirche zu Ende. Eingeladen hatten die Evangelische Akademie Baden, die Frauenarbeit, die Evangelische Erwachsenenbildung und weitere Bildungseinrichtungen der Landeskirche, die in einem mehrstufigen Konsultationsprozess u.a. diskutiert hatten, was 450 Jahre Reformation in Baden heute bedeutet. Landesbischof Ulrich Fischer (Karlsruhe) sagte im Festgottesdienst, die Stärke einer Kirche bestehe darin, " Himmel und Erde miteinander zu verbinden". Er unterstrich, dass die Kirche der Reformation sich „mit allen Kirchen der Welt himmelwärts an unserem Gott und seinem Himmelreich“ orientiere. Zugleich sei sie – vielleicht mehr als andere Kirchen – erdverbunden. „Wir überlassen die Gesellschaft nicht sich selbst, sondern entwickeln Perspektiven für ihre menschenfreundliche Entwicklung. Wir engagieren uns für das Zusammenleben der Menschen, für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.“ In einem von Akademiedirektor Klaus Nagorni moderierten Podiumsgespräch bestärkte der CDU-Bundestagsabgeordnete Jo Krummacher (Stuttgart) den Grundimpuls des Protestantismus, für Bildung auf allen Ebenen einzutreten: „Glauben ohne Reflexion kann gefährlich werden“. Die Klammer zwischen Glaube und Bildung müsse daher immer neu hergestellt werden. Die ZEIT-Journalistin Elisabeth von Thadden (Hamburg) warnte vor einer Milieuverengung des Protestantismus: „Wir dürfen nicht die Bildungseliten aus dem Augen verlieren“. Sie seien notwendig, um wieder klüger zu werden in unserem Glauben. Wir brauchen die kirchenfernen Gelehrten, „die erklären wie kompliziert es ist mit dem Glauben“. Christoph Quarch (Oberursel), Chefredakteur von „Publik-Forum“ meinte, dass dem Protestantismus eine „lebendige Spiritualität gut zu Gesicht stehen würde“. Eine mystische Spiritualität mit dem entsprechenden kritischen Impetus verknüpft laufe den Grundanliegen des Protestantismus keineswegs zuwider. Der Unternehmer Hans-Georg Nußbaum (Kehl) sprach von der Notwendigkeit, „eine neue Religionskultur in den Köpfen und Herzen der Menschen zu implantieren“. Die hedonistischen Lebensentwürfe unserer Zeit griffen letztlich zu kurz. Der Festtag endete mit der Verlesung eines Manifests verfasst den am Konsultationsprozess Beteiligten. Es wendet sich gegen „jegliche Engführung der biblischen Botschaft und des reformatorischen Erbes“. Die Verfasser unterstreichen, „dass die Kirche der Reformation den Dialog mit Kultur, Wissenschaft, Politik, und Wirtschaft braucht“ und „im Vertrauen auf das Evangelium den Dialog mit anderen Religion, Kulturen und Weltanschauungen führen muss“. Die evangelische Kirche – so heißt es weiter - dürfe sich nicht auf bestimmte Milieus beschränken, sondern müsse danach streben "offene und einladende Kirche zu sein". Das bedeute, sich dem religiös-weltanschaulichen Pluralismus der Gegenwart zu stellen: "In der Verschiedenheit menschlicher Glaubensgewissheiten erkennt und bezeugt die Kirche der Reformation die Universalität des christlichen Glaubens". Dabei müsse die Kirche der Reformation „mit der gesamten Christenheit auf Schöpfungs- und Menschenverträglichkeit“ pochen und deutlich machen, dass sie „Lust und Geschmack auf Zukunft" hat. Akustisch war dies in Heidelberg mit dem Auftritt der Bezirksposaunen Heidelberg und in dem Konzert "Ein neues Lied will ich Dir singen" mit Annette Postel (Sopran), Rüdiger Kurz (Trompete) und Christoph Andreas Schäfer (Orgel) zu erleben. Bildhaft wurde der Anspruch mit der Inszenierung „Himmelsleiter“ in Szene gesetzt: eine Strickleiter, die 2000 Jahre Christentum symbolisierte, wurde die so genannte Heiliggeist-Luke im Gewölbe der Heiliggeistkirche emporgezogen. An ihr hingen mit Schnüren befestigt auf bunte Zettel geschriebene Gebete, aber auch zahlreiche Anregungen und Ideen zu Reformation. Ralf Stieber, Karlsruhe, 30. 10. 2006 Impressum |