Bericht zur Tagung ""Von der Freundschaft" " - Evangelische Akademie Baden
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Freundschaft wärmt, Liebe brennt

Eine Tagung zum Thema Freundschaft in der Evangelischen Akademie Baden

Eine "Ode auf die Freundschaft" wolle er nicht singen. Seine Absicht sei vielmehr, Freundschaft als "Leitkultur" zu durchdenken. Zu einem Loblied auf die Freundschaft wurden die Beiträge von Eckart Failing, dem emeritierten Theologie-Professor der Universität Frankfurt, dennoch und fügten sich damit in das Konzept der Veranstaltung. Hatten doch die Evangelische Akademie Baden und der Freundeskreis der Akademie ihn und drei weitere Referenten zu einer Tagung zum Thema "Von der Freundschaft. Auf dem Weg zu einer neuen Beziehungskultur" geladen. Offenheit und Verlässlichkeit machte Failing als die Basis einer guten Freundschaft aus. In einer Zeit, in der die "dezidierte Entscheidung für das Alleineleben" zunehme und in der "Ehe und Familie zu Tode verrechtlicht" würden, wachse die Bedeutung der Freundschaft. "Freundschaft ist eine Kulturleistung, die man lernen kann", betonte Failing. Zudem müsse man sie als das "Herz der christlichen Theologie" ansprechen, die als erste gewagt habe, Gott nicht mehr als Herrscher zu denken, sondern als Freund. "Beten ist Sprechen in Anwesenheit eines Freundes.", zitierte der emeriterte Theologe die mittelalterliche Mystikerin Theresa von Avila.

Der Zeitpunkt der Freundschafts-Tagung, die auf unerwartet große Resonanz stieß, hätte nicht günstiger sein können. Zwei Monate zuvor hatte die Zeitschrift "Psychologie heute" sich der Frage nach dem "schwierigen Glück der Freundschaft" gestellt und festgehalten: In einer Zeit, in der der "Bruch der Bindungen" an der Tagesordnung sei und traditionelle Sozialbeziehungen wie Ehe und Familie sich auflösten, wachse die Sehnsucht nach guten Freunden. Freundschaft sei im Leben der Deutschen so wichtig wie nie zuvor.

Liebe vergeht, Ehe vergeht, die Freundschaft bleibt", erklärte die Theologin Marita Hecker (Speyer), in ihrer "literarischen Annäherung an das Thema". Die Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts habe ausgiebig davon Gebrauch gemacht, ideale Freundschaften darzustellen und das Bild des in allen Nöten "treuen und guten Freundes" zu zeichnen. In der Literatur des 20. Jahrhunderts seien neben einer idealisierten Darstellung durchaus realistische Schilderungen getreten. Hecker machte dies an Thomas Bernhards autobiographischer Schrift "Wittgensteins Neffe" deutlich, die die "Kapitulation des Freundes vor Krankheit und Tod" thematisiere.

Dass ein freundschaftlicher Umgang mit sich selbst Voraussetzung für eine Freundschaft mit anderen ist, wusste man schon in der Antike. Schwierigkeiten aber, auf die schon der erste Schritt zur Freundschaft mit sich selber stoßen kann, zeigte der Physiker und Wilhelm-Busch-Kenner Wolfgang Ruppel (Karlsruhe) auf. Er deutete Buschs Bildergeschichte "Balduin Bählamm" als das "Scheitern eines Lebensentwurfs". Bählamm habe sich nur als ein Dichter akzeptieren können, doch widrige Umstände versagten es ihm.

Die Frage danach, ob Frauen wie Männer gleichermaßen zu Freundschaft befähigt seien, wurde von den Teilnehmern der Tagung kontrovers diskutiert. Sie räumten der Freundschaft von Männern und Frauen jedoch bessere Chancen ein als Michel de Montaigne, der in seinem wegweisenden Essay "Über die Freundschaft" der Freundschaft zwischen Männern und Frauen eine endgültige Absage erteilte.

Der Psychotherapeut Dr. Mathias Jung (Lahnstein) wies auf Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfreundschaften hin: Neun von zehn Männern über 40 gaben laut Statistik an, keinen besten Freund zu haben. Bei Frauen kehrt sich die Zahl um: Neun von zehn Frauen in der angegebenen Altersgruppe meinen, eine beste Freundin zu haben. Auch inhaltlich unterscheiden sich, so Jung, Männer- und Frauenfreundschaften. Frauen suchten Beständigkeit, Geborgenheit und Urvertrauen in der Beziehung zur Freundin. Eine Freundschaft zwischen Frauen könne auch "als "Bollwerk gegen die Männerwelt" fungieren. Gespräche hätten einen hohen Stellenwert. Im Mittelpunkt von Männerfreundschaften ständen dagegen gemeinsame Aktionen. So passiere es häufig, dass Männer den Kumpel oder Sportkameraden mit einem Freund verwechseln. Aber erst, wenn wir dem Anderen "etwas von unserer Seele preisgeben", könne er ein Freund werden.

Auch wenn das "Geheimnis der Freundschaft" sich nie ganz lüften ließe, wie Akademiedirektor Klaus Nagorni eingangs bemerkte, so hat die Tagung der Evangelischen Akademie mindestens zu einer ertragreichen Spurensuche zum Thema Freundschaft in Literatur, Kultur und Religion beigetragen. Die neuesten Entwicklungen der Hirnforschung lassen aufhorchen: von Bereichen des menschlichen Hirns ist die Rede, deren Reizung Gotteserfahrungen und religiöse Erlebnisse auslöst. Ist damit der Beweis erbracht, dass alle Religion nur ein Ergebnis biochemischer Reaktionen ist? Religionskritiker wittern, so Akademiedirektor Dr. Jan Badewien (Karlsruhe) "eine neue Möglichkeit, die Diesseitigkeit von Religion zu beweisen und ihren Ursprung in den Menschen selbst hinein zu legen".

 


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