Bericht zum Symposium "Menschen - Recht - Wasser" - Evangelische Akademie Baden
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Wasser darf kein Wirtschaftsgut werden

Symposium an der Universität Karlsruhe


Tänzerin aus Benin
Tänzerin aus Benin während des Symposiums "Menschen - Recht - Wasser"

Wasser ist in den Augen von Danuta Sacher, Leiterin der Abteilung Politik und Kampagnen bei Brot für die Welt (Stuttgart) „kein Wirtschaftsgut, sondern ein „soziales und öffentliches Gut“. Die Bestrebungen, die Wasserversorgung zu privatisieren, liefen in die falsche Richtung, unterstrich sie gestern auf einem Symposium mit dem Titel „Menschen - Recht - Wasser“ in der Reihe “Evangelische Hochschuldialoge“ an der Universität Karlsruhe.

Die Bürger sollten sich gegen die Enteignung von Gemeineigentum, das jahrelang aufgebaut wurde, wehren. Wasser könne nur nachhaltig bewirtschaftet werden, wenn die Menschen vor Ort beteiligt sind. Sacher betonte, dass es in Sachen Wasserversorgung keine Patentlösungen im Weltmaßstab gebe: statt unserer deutsches Klischee von einer zentralisierten Wasserversorgung zu exportieren gelte es jeweils Lösungen für eine gute Wasserversorgung vor Ort zu finden.

Birgit Homburger, Landesvorsitzende der FDP Baden-Württemberg (Hilzingen/Wahlkreis Konstanz), sprach sich dafür aus, das Thema „sauberes Trinkwasser“ bei der Diskussion über das Wasser in den Mittelpunkt zu rücken. Täglich sterben 6.000 Menschen, weil sie verunreinigtes Wasser trinken. Sie plädierte dafür, die Entwicklungszusammenarbeit zu fördern und technisches Knowhow, aber auch Wassermanagement im Sinne der Nachhaltigkeit zur Verfügung stellen. Ihrer Ansicht nach könne Privatisierung durchaus ein Weg sein, adäquate Techniken der Wasserversorgung und -entsorgung zur Verfügung zu stellen.
Aufmerksame Zuhörer

Horst Fehrenbach und Danuta Sacher

Gertrude Lübbe-Wolf, Moderator Hermann H. Hahn
und Horst Fehrenbach
Birgit Homburger und Gertrude Lübbe-Wolf

Die mangelnde Nachhaltigkeit im Umgang mit Wasser bedauerte Horst Fehrenbach, Mitarbeiter am ifu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg. So sei Wasserknappheit im wasserreichen Norwegen entstanden, weil man die Speicherseen für die Erzeugung von Ökostrom allzu sehr leer gefahren habe. Den Markt als Maßstab für das Lebensmittel Wasser zu verwenden, ist in seine Augen nicht unproblematisch: geöffnete Märkte bedeuteten, dass sich der Staat das Ruder der Wirtschaft in die Hand gebe. Es sei aber fraglich, ob es er es jemals wieder zurückerhalte.

Gertrude Lübbe-Wolff, Richterin des Bundesverfassungsgerichts Karlsruhe hält die Wasserversorgung für keine Aufgabe, für die sich die Organisationsform des Marktes anbietet. Investitionen ins Wassernetz seien nur langfristig lohnenswert, bei der Privatisierung der Wasserversorgung rücke stattdessen die Gewinnorientierung in den Vordergrund. Die Forderung  nach einem „Recht auf Wasser“ sei durchaus ein „sinnvoller Kristallisationspunkt für politische Forderungen“. Die Probleme seine damit aber nicht vom Tisch, sondern fingen erst an.

Akademiedirektor Siegfried Strobel (Karlsruhe) unterstrich zum Abschluss des gemeinsam von der Evangelischen Studierendengemeinde, der Evangelischen Akademikerschaft und der Evangelischen Akademie Baden durchgeführten Symposiums, dass wir dem Markt „viel zutrauen, manchmal aber auch zuviel“. Wirtschaften sei zwar elementar, doch dürften die ökonomischen Werte nicht zu den höchsten Werten werden. Nicht von ungefähr setzten sich religiöse Überlieferungen aller Völker mit dem Thema Wasser auseinander und erzählten Geschichten von Brunnen als Orten der Kommunikation, aber auch des Streits.

Ralf Stieber, Karlsruhe, den 17. 11. 2004