Die Evangelische Akademie Baden
1982
Zu einer Zeit eskalierender Gewalt an der Frankfurter Startbahn West und bei Hausbesetzungen veranstaltete Böhme die Tagung Recht oder Gewalt?, die sich mit der Bedrohung des Rechtsfriedens in der Bundesrepublik auseinandersetzte:
Anwachsen der Kriminalität, Terror von rechts und links, gewaltsame Demonstrationen, Haus- und Flugplatzbesetzungen lassen im Bürger das Gefühl entstehen, daß der Staat die Möglichkeit verloren hat, ihn und sein Eigentum zu schützen und der Gewalt wirksam entgegenzutreten. Wie konnte es so weit kommen?
Zu dieser Frage aus dem Einladungstext der Tagung gab es keine Übereinstimmung. Die in vielen gesellschaftlichen Bereichen und auch innerhalb der Kirche kontrovers geführten Diskussionen bildeten sich in den Redebeiträgen ab, wie auch dem folgenden Ausschnitt aus einem Bericht über die Tagung in der Stuttgarter Zeitung vom 15. Februar 1982 zu entnehmen ist:
Die Hintergründe der Jugendunruhen sprach der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Günter Schröder (Düsseldorf), an und warb um Verständnis für die schwierige Lage der Polizisten. Es sei nur eine Frage der Zeit, wie lange die Polizei noch für die Fehler der Politiker den Rücken hinhalte. Die Polizei kann nicht als Ersatz für den fehlenden Dialog dienen. Man müsse sich klar darüber sein, daß der Einsatz von Gewalt notwendigerweise zur Gegengewalt führe. Dagegen wandte sich der Freiburger Kriminologe Professor Wolf Middendorf. Der Polizei sei es nicht erlaubt, sagte der Strafrechtler, solche Überlegungen anzustellen. Die Polizei hat das Recht durchzusetzen und nicht mehr und nicht weniger!
Letzte Änderung: 12. Januar 2000, © Ralf Stieber (rts), Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe