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Die Evangelische Akademie Baden 1973


Gegen die ideologischen Scheuklappen versucht die Akademie Brücken zwischen allen gesellschaftlichen Gruppen zu bauen. Beispielhaft erscheinen u.a. zwei Tagungen: “Der Unternehmer – konstitutives Element jeder Gesellschaftsordnung” lautete das Thema der Unternehmertagung vom 4.-5. Juni 1973 in Bad Herrenalb, die Gegenheimer ebenso veranstaltete wie eine Tagung mit dem DGB Kreis Karlsruhe. Als Referenten auf der Unternehmertagung waren geladen: Professor Dr. J. Häusler, Vorsitzender des Vorstands der IWK Karlsruhe-Augsburg, Hans Merkle, Robert Bosch GmbH und Dr. Hanns-Martin Schleyer, Vorstandsmitglied der Daimler-Benz AG.

Die Besucher von Akademietagungen, so wird in diesem Jahr beobachtet, sind nicht mehr in erster Linie die treuen Glieder der Kirche, sondern jene anderen, die kaum noch Bindungen zur Gemeinde haben. Sie suchen, so heißt es im Vorwort des Halbjahresprogramms 1973/74, “Antwort auf tiefste Fragen menschlicher Existenz in unserer Zeit [...] im gesellschaftspolitischen [...] ebenso wie in den geistigen Grundtendenzen der Gegenwart”. Die Antwort der Akademien sei der Dialog und “Verzicht auf den Monolog in irgendeiner Form”.

Diese Fähigkeit zum Dialog wurde dringend benötigt. Das Stichwort “Die Grenzen des Wachstums” und die Ölkrise sorgten für Unruhe; mehr noch die Auseinandersetzungen um das geplante Kernkraftwerk in Whyl. Industriepfarrer Werner Beck, der 1971 neuer Studienleiter an der Akademie geworden war, brachte 1973 erstmals Vertreter von Bürgerinitiativen, Politik, Wirtschaft und Kirche an einen Tisch, weil er “in der Scheu, mögliche Konfliktlösungen gemeinsam und öffentlich zu diskutieren” ein wesentliches Problem erkannte. Mit mehreren Tagungen und Workshops (z. B. “Wer begutachtet die Gutachten?”, “Quo vadis Oberrhein?”, “Probleme der Energieversorgung”) wurde versucht, diese Scheu abzubauen. Als Ergebnis entstand der “Wiedenfelser Entwurf”, ein Arbeitspapier zur Unterstützung politischer Entscheidungen bei umweltrelevanten Genehmigungsverfahren. Werner Beck wurde daraufhin erster Umweltbeauftragter der badischen Landeskirche.


Letzte Änderung: 12. Januar 2000, © Ralf Stieber (rts), Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe