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Die Evangelische Akademie Baden
1967
Das gesellschaftspolitische Klima in der Bundesrepublik hatte sich inzwischen deutlich gewandelt, die Traditionen waren in den 60er Jahren ins Wanken gekommen und wurden von der jungen Generation zum Entsetzen der älteren einfach abgestreift. Die Gewalt des Umbruchs wird auch im folgenden Auszug aus dem ersten Halbjahresprogramm 1967 deutlich:
Der Boden der Gegenwart schwankt, ist in ständiger Bewegung und weitreichenden Veränderungen ausgesetzt. Es ist, als versuchten wir mitten in einem Erdbeben, während die bergenden Mauern noch immer stürzen, Pläne für den Aufbau zu machen.
Zu diesem Erdbeben paßten die personellen und strukturellen Veränderungen von 1967. Akademiedirektor D. Hans Schomerus wurde Ende des Jahres verabschiedet. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Dr. Wolfgang Böhme, der bisher stellvertretender Akademiedirektor an der Nachbarakademie Bad Boll gewesen war und die Evangelische Akademie Hessen mitgegründet hatte.
Gleichzeitig wird auch Gegenheimer Akademiedirektor. In einem Nachruf zwei Jahre später bezeichnete er seinen Vorgänger Schomerus als einen Konservativen mit weitem Horizont. Schomerus sei ein Mann gewesen, der in kein simples Klischee paßte. Und weiter:
Zwar konnte er sich selber manchmal einen 'Konservativen' nennen, dann aber sprengte dieser Begriff sofort alle die gängigen Vorstellungen, mit denen ihn ein primitives Denken einzufangen gedachte. 'Konservativ' hieß für Hans Schomerus: in einem lebendigen, nie abbrechenden, kritischen Dialog stehen mit der Vergangenheit. Niemals war damit eine blinde Übernahme der Tradition gemeint. So konnte er sich auch selber revidieren und in der Vergangenheit eingenommene eigene Standpunkte in Frage stellen. 'Ich habe viel Ungereimtes und sicher auch viel Unsinn in meinem Leben geschrieben.' So hat er einmal in einer Diskussion gesagt. Und man denkt mit Wehmut: Was wäre das für eine Befreiung, wenn seine Kollegen aus der Publizistik nur ein bißchen von solcher Großzügigkeit aufweisen könnten!
Mit dem Ausscheiden eines Akademiedirektors, so läßt sich heute im Rückblick sagen, bahnten sich stets auch strukturelle Veränderungen der Akademie an. Entscheidend für die nächsten 20 Jahre wird zum einen der Beschluß, die Industriearbeit von der Männerarbeit der badischen Landeskirche abzukoppeln und mit der Akademie zu verbinden. Zum anderen sollte zukünftig die Leitung der Akademie zwischen den nunmehr zwei Akademiedirektoren im zweijährigen Turnus wechseln. Die Veränderungen wurden deutlich in der Gliederung der Akademie in acht Fachgruppen:
Der Titel Studienleiter, so schlug Gegenheimer vor, sollte funktional an die Leiter der Fachgruppen der Akademie verliehen werden, die alle noch weitere Aufgaben in der Landeskirche zu erfüllen hatten. Das waren damals Oskar Hermann (Freiburg), Industriepfarrer für Südbaden, Albert Koop, Gemeinschaft Evangelischer Erzieher (GEE) und zuständig für die Fachgruppe Lehrer und Eltern, Schülerpfarrer Hans-Joachim Mack (Karlsruhe), zuständig für die Fachgruppe Primaner und Abiturienten, Industriepfarrer Gerhardt Langguth (Mannheim) zuständig für die Fachgruppen Handwerk und Freizeitwelt sowie Friedrich Wernz (Meckesheim), Bauernpfarrer und zuständig für die Fachgruppe Landwirtschaft.
Später wurde der Titel Studienleiter dann doch nur im Zusammenhang mit den drei Industriepfarrern und dem Studienleiter, der dem Arbeitsbereich von Dr. Böhme zugeordnet war, verwendet.
Durch diese im wesentlichen von Landesbischof Dr. Heidland konzipierte Gliederung der Akademie sollten alle auf die Gesellschaft (also nicht auf Kirchengemeinden und Kirchenbezirke) ausgerichteten Aktivitäten der Landeskirche in der Akademie zusammengefaßt werden. Die Akademie erweiterte dadurch ihr Spektrum und erhielt im Grunde neue Chancen, verlor andererseits auch ihr in 20 Jahren gewachsenes Profil.
Letzte Änderung: 12. Januar 2000, © Ralf Stieber (rts), Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe